Müssen Verbandskästen aufgerüstet werden?

DIN 13 164 2022 ist am 01.02.2022 gültiggeworden!

Gemäß § 35h StVZO müssen PKW, Lastkraftwagen und Busse- mit einem oder mehreren Verbandskästen ausgestattet sein, wenn deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit mehr als 6 km/h beträgt. Bei Krankenfahrstühlen, Krafträdern, Zug- oder Arbeitsmaschinen in land- oder forstwirtschaftlichen Betrieben sowie bei einachsigen Zug- oder Arbeitsmaschinen besteht keine Pflicht zum Mitführen.

Der Verbandskasten muss das enthaltene Erste-Hilfe-Material ausreichend vor Staub und Feuchtigkeit sowie vor Kraft- und Schmierstoffen schützen.  Dies gilt unabhängig davon, ob ein Verbandskasten im klassischen Sinne oder eine andere Ausstattung mitgeführt wird. Denn abweichend von den Absätzen 1 und 3 des § 35h StVZO darf nach § 35 h Abs. 4 StVZO auch anderes Erste-Hilfe-Material mitgeführt werden. Entscheidend ist, dass es, „bei gleicher Art, Menge und Beschaffenheit mindestens denselben Zweck zur Erste-Hilfe-Leistung erfüllt.“ Statt eines Verbandskastens ist daher z.B. auch ein Verbandskoffer möglich.

Ungeachtet dessen gilt allerdings, dass es zur Zweckerfüllung geeignet sein muss, Verbandsmaterial nicht ewig hält und nach Ablauf des Verfallsdatums durch neues zu ersetzen ist.

Welche Ausstattung ist vorgeschrieben?

  • 1 x Heftpflaster 5 m x 2,5 cm (DIN 13 019)
  • 1 x steriles Verbandpäckchen groß (DIN 13 151-G)
  • 1 x Verbandtuch 60 x 80 cm (DIN 13 152-A)
  • 1 x steriles Verbandpäckchen klein (DIN 13 151-K)
  • 1 x Dreiecktuch (DIN 13 168-D)
  • 1 x Vinylhandschuhe (DIN EN 455)
  • 1 x Erste-Hilfe-Schere 14,5 cm (DIN 58 279-B145)
  • 1 x Rettungsdecke 210 x 160 cm
  • 1 x Anleitung zur Ersten Hilfe
  • 2 x Fixierbinde 4 m x 6 cm (DIN 61 634-FB6)
  • 2 x Fingerkuppenverband
  • 2 x Fingerverband 12 x 2 cm
  • 2 x Pflasterstrips 19 x 72 mm
  • 2 x Gesichtsmaske (DIN EN 14683)
  • 2 x Feuchttücher zur Hautreinigung
  • 2 x steriles Verbandpäckchen mittel (DIN 13 151-M)
  • 3 x Fixierbinde 4 m x 8 cm (DIN 61 634-FB8)
  • 4 x Pflasterstrips 25 x 72 mm
  • 4 x Wundschnellverband 10 x 6 cm (DIN 13 019)
  • 6 x sterile 1 Wundkompresse 10 x 10 cm

Ein Inhaltsverzeichnis darf natürlich nicht fehlen.

Was hat sich im Vergleich zur DIN 13164-2014-1 geändert?

Der Inhalt des Verbandskastens bzw. welches Material mitgeführt werden muss, ist in DIN 13 164 geregelt. deren Neufassung wurde am 01.02.2022 gültig. Im Rahmen der Überarbeitung wurden dem Inhalt zwei Gesichtsmasken hinzugefügt. Das Verbandtuch 40×60 cm (DIN 13152 – BR) wurde gestrichen. Weiter hin ist jetzt nur noch ein Dreiecktuch vorgeschrieben und der Text wurde redaktionell überarbeitet. Wer seinen Verbandskasten aktualisieren möchte, sollte zwei medizinische Gesichtsmasken (DIN EN 14683) hinzufügen. Entsprechende Ergänzungssets sind im Handel erhältlich. Überzähliges Material muss nicht entfernt werden, da die Norm nur den Mindestinhalt vorschreibt.

Der Verbandskasten ist nicht aktuell?  Das Verfallsdatum ist abgelaufen?

Angesichts der lebensrettenden Funktion, die dem Verbandsmaterial in im Ernstfall zukommen kann, sollte das Ablaufdatum – nicht zuletzt auch im eigenen Interesse – unbedingt beachtet werden. So bleiben z.B. Kompressen nicht unendlich steril. Bakterielle Verunreinigungen können im Zweifel sogar lebensbedrohliche Folgen nach sich ziehen. Zudem lässt die Klebefähigkeit von Pflastern und Binden nach einem bestimmten Zeitraum nicht nur nach; sie kann auch vollständig verloren gehen. Haben einzelne Materialien oder der Verbandskasten als solcher das Ablaufdatum erreicht oder überschritten, ist ein unmittelbarer Austausch durch neues Material erforderlich. Da die Neufassung den Zeitpunkt des Inverkehrbringens betrifft (s.a. Information des BVMed), können Verbandskästen mit aktuellem Haltbarkeitsdatum – nach derzeitiger Rechtslage – übrigens nicht nur bis zum 31.01.2023 erworben, sondern auch darüber hinaus genutzt werden. In Hinblick darauf, dass § 35h  Abs. 3 StVZO sich stets auf die aktuelle als auch die vorherig Fassung der DIN 13 164 bezieht, wird sich daran auch nach einer Aktualisierung der Norm voraussichtlich nichts ändern. 

Was droht bei abgelaufenem Haltbarkeitsdatum?

Trotz der Relevanz der Verwendbarkeit des Verbandskastens kommt derjenige, der ein Fahrzeug in Betrieb nimmt, obgleich das mitgeführte Material nicht vorschriftsmäßig ist, glimpflich davon. Bei einem Omnibus droht dem Fahrer ein Verwarngeld in Höhe von fünfzehn Euro, bei allen anderen Fahrzeugen eines von fünf. Teurer wird es für denjenigen, der die Inbetriebnahme eines unzureichend ausgestatteten Fahrzeugs anordnet. Bei einem Omnibus steht hier ein Verwarngeld in Höhe von fünfundzwanzig, bei allen anderen Fahrzeugen eines von zehn Euro zu erwarten. Punkte gibt es keine. Fünf Euro erwarten denjenigen, der sich weigert mitzuführende Gegenstände auf Verlangen vorzuzeigen oder zur Prüfung auszuhändigen. Stellt sich bei der Hauptuntersuchung heraus, dass der Verbandskasten fehlt, abgelaufen oder unvollständig ist, wird dies als geringfügigen Mangel gewertet. Die Plakette wird zwar erteilt, aber der Mangel muss umgehend behoben werden.

Fazit

Die Änderungen der DIN bieten einen guten Anlass zur Kontrolle des vorhandenen Verbandmaterials, und die Kosten für einen neu beschafften Kfz-Verbandskasten liegen in der Regel unterhalb des zu erwartenden Verwarngelds. Hinzu kommt, dass funktionstüchtiges Verbandsmaterial im Notfall eben – auch das eigene – Leben retten kann. 

 

Bildnachweis: Pixabay/Alexas_Fotos
Aktualisiert am 23.08.2022

 

(Veröffentlichungsdatum: 04.02.2022)

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