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Verkehr & Recht

Wenn der „Stärkere“ den Kürzeren zieht: Hitziges Gemüt kann den Führerschein kosten

Im alltäglichen Straßenverkehr kommt es regelmäßig zu Situationen, in denen sich zwei Autofahrer uneinig sind. Dass ein hitziges Temperament in solchen Situationen nicht der beste Ratgeber ist, zeigte wieder einmal mehr ein Verfahren vor dem Amtsgericht (AG) München (Urteil vom 25.01.2017 – Az.: 1022 Ds 461 Js 163565/16).

Was war passiert?

Kurz vor einer Autobahnabfahrt kam der Verkehr ins Stocken. Einem 19-jährigen Autofahrer, der sich einen BMW von seinem Vater geliehen hatte, ging es offensichtlich jedoch nicht schnell genug voran. Kurzentschlossen setzte er seine Fahrt neben der eigentlichen Fahrspur fort und überholte damit unerlaubter Weise die Kolonne.

 

Hinter der Kolone wollte er wieder auf die reguläre Fahrspur wechseln, doch ein anderer PKW-Fahrer wollte ihn nicht einscheren lassen Als es dem 19-Jährigen gelang einzuscheren, bremste er sein Fahrzeug ab und stellte es schräg zur Fahrbahn ab, wodurch er die Autobahnabfahrt blockierte. Dann stiegen der 19-Jhrige und zwei seiner Beifahrer aus, ebenso wie der Autofahrer, der ihn zuvor nicht einscheren ließ, und dessen Beifahrerin.

 

Zwischen den Beteiligten kam es zur Auseinandersetzung, die sich von Schubsereien zu einem Schlagabtausch steigerte. Als der PKW-Fahrer versuchte zu flüchten, rutschte er auf dem Seitenstreifen aus. Die Insassen des BMW nahmen dies zum Anlass den bereits am Boden liegenden Mann mit Tritten zu traktieren. Nachdem junge Mann von dem PKW-Fahrer abgelassen hatten, fuhren sie davon.

Kein unbeschriebenes Blatt

Dies war jedoch nicht der erste Vorfall im Straßenverkehr, bei dem der 19-Jährige sein hitziges Temperament zeigte. Zuvor war er bereits in einen Auffahrunfall mit einem Audi verwickelt. Dabei fuhr er mit dem BMW des Vaters mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit von ca. 100 km/h nahe an den Audi heran und bremste im letzten Moment. Aufgrund des zu geringen Sicherheitsabstandes und der deutlich überhöhten Geschwindigkeit kam es dennoch zum Unfall.

 

Und auch hier zeigte er sein leicht erregbares Gemüt: Nachdem die Unfallbeteiligten rechts rangefahren waren, stieg der 19-jährige Fahrer aus dem BMW und beschimpfte den Audi-Fahrer, dass dieser sein Auto nicht verließ. „Warum kannst Du Arsch denn net auf die Seite fahren?“ schilderte ein Zeuge.

Die Entscheidung des Gerichts

Das Amtsgericht stellte fest, dass der 19-Jährige aggressiv wurde, weil ihm der PKW-Fahrer schlicht und ergreifend keine Lücke zum Einscheren gelassen hatte. In den Augen des Gerichts eine Situation, die sich jede Tag landauf landab abspielt. Dass der junge Mann derart massiv auf eine alltagstypische Verkehrssituation reagiert hat, zeigte dem Gericht, dass er ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist - mit der Folge, dass ihm neben der Verurteilung wegen vorsätzlicher, gefährlicher und fahrlässiger Körperverletzung auch der Führerschein für acht Monate entzogen wurde: „Offenkundig hatte der Angeklagte seine Emotionen nicht unter Kontrolle und weist damit auch bestimmte charakterliche Mängel auf, die darauf hindeuten, dass der Angeklagte ohne eine Auszeit vom Straßenverkehr eine Gefährdung für die Verkehrssicherheit bedeutet.

 

Und auch der Auffahrunfall zeigte aufgrund des hohe Aggressionspotentials, dass er „offenkundig nicht mit Stresssituationen im Straßenverkehr umgehen kann.“ Bei der Wiedererteilung der Fahrerlaubnis dürfte er sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU, auch „Idiotentest“ genannt) unterziehen.

Kanzlei Voigt Praxistipp

Wie dieses Urteil deutlich macht, droht der Führerscheinentzug mit anschließender MPU nicht nur bei Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Ein medizinisch-psychologisches Gutachten kann bereits angeordnet werden „bei Straftaten, die im Zusammenhang mit der Kraftfahreignung stehen, insbesondere wenn Anhaltspunkte für ein hohes Aggressionspotenzial bestehen“ (§ 11 Abs. 3 Nr. 7 Fahrerlaubnis-Verordnung). Daher heißt es lieber Ruhe bewahren.

 

Sollten Sie doch einmal aus der Haut gefahren sein, ist nicht zwingend alles verloren. Wie immer kommt es auf den Einzelfall an. Je nach Umständen kann die Lage unterschiedlich zu bewerten sein. Die Rechtsanwälte der ETL Kanzlei Voigt helfen Ihnen gerne weiter und besprechen mit Ihnen das weitere Vorgehen.

04.07.2017

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