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Verkehr & Recht

Was ist bei einem Verkehrsunfall in Frankreich zu beachten?

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem unvorhergesehen Ereignis mit dem Auto kommt, ist auf Reisen größer als im „Normalbetrieb“. Das Fahrzeug wird stärker beansprucht als im Alltag und es werden weitere Strecke zurückgelegt.

Im Falle eines Verkehrsunfalles in Frankreich gilt es – wie in allen anderen Ländern auch – sich zunächst um etwaige Verletzte zu kümmern und die Unfallstelle zu sichern.

Wenn Sie nachfolgende Verhaltensregeln bei einem Verkehrsunfall in Frankreich befolgen, so bereiten Sie auch in rechtlicher Hinsicht die Grundlage für eine spätere Schadensabwicklung vor:

•Stoppen Sie sofort und sichern Sie die Unfallstelle. Legen Sie hierzu beim Ausstieg aus dem Fahrzeug aufgrund eines Unfalls, einer Panne oder anderer Notsituationen eine Warnweste an. Das Mitführen mindestens einer Warnweste im Kraftfahrzeug ist Pflicht.  Die Tragepflicht gilt außerhalb geschlossener Ortschaften wie z.B. auf sämtlichen Autostraßen, auf Autobahnen sowie deren Randstreifen.

 •Leiten Sie bei Personenschäden Erste-Hilf-Maßnahmen ein und rufen Sie die Polizei und den Rettungsdienst. Die Polizei erreichen Sie unter der Notrufnummer 17, den Rettungsdienst (SAMU – Service d´Aide Médicale Urgente) unter der 15.

 •Bitte beachten Sie, dass die Polizei üblicherweise nur bei Personenschäden, nicht jedoch bei (leichten) Sachschäden zur Unfallstelle kommt.

 •Halten Sie den genauen Unfallhergang schriftlich fest.

Das Unfallprotokoll sollte mindestens die folgenden Angaben erhalten:

  • Genaue Bezeichnung des Unfallorts
  • Kurze Darstellung des Unfallhergangs, bestenfalls durch eine Skizze veranschaulicht
  • Sämtliche Unfallbeteiligte; Name und Anschriften von Fahrern und Haltern der beteiligten Fahrzeuge, sowie der jeweiligen Versicherungsgesellschaften nebst Versicherungsscheinnummern
  • Amtliche Kennzeichen der beteiligten Fahrzeuge mit Länderkennung
  • Alle in Betracht kommenden Unfallzeugen mit Namen und Anschrift

Fertigen Sie nach Möglichkeit Fotos von der Unfallstelle und von den Schäden an den beteiligten Fahrzeugen an und fügen Sie diese dem Unfallprotokoll bei

•Sollte die Polizei vor Ort sein und einen Unfallbericht erstellen, dann bitten Sie um Aushändigung einer Kopie, auch wenn dieser in französischer Sprache verfasst ist

•Zur Vermeidung eines unbewussten Schuldanerkenntnisses ist es wichtig, dass Sie keine Schriftstücke unterschreiben, deren Inhalt Sie nicht verstehen

•Informieren Sie unverzüglich Ihre Haftpflichtversicherung (Obliegenheitspflicht!)

•Für den Hergang des Unfallgeschehens nutzen Sie bestenfalls einen Europäischen Unfallbericht (Constat amiable d´accident automobile), welcher in deutscher und französischer Sprache mitgeführt wird, um Sprachbarrieren zu vermeiden.

 
Auch bei der Schadenabwicklung gibt es einiges zu beachten!

Sie sollten für die Prüfung und Durchsetzung Ihrer Ansprüche fachkundigen Rat einholen.

Holen Sie sich rechtzeitig professionelle anwaltliche Hilfe ein, damit der für Sie sicherste Weg der Durchsetzung Ihrer Rechte gefunden werden kann. So können Ihre Ansprüche z.B. direkt bei der gegnerischen Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung in Frankreich angemeldet werden. Die Schadenabwicklung kann aber auch, was vielen unbekannt ist, hier in Deutschland erfolgen. Der Vorteil ist, dass etwaige Gerichtsprozesse nicht in Frankreich vor Ort geführt werden, sondern am Wohnsitz der geschädigten Partei in Deutschland.

Bei beiden Varianten der Schadenabwicklung kommt das französische (Schadensersatz-)Recht zur Anwendung. Dieses enthält einige Unterschiede zum deutschen Zivilrecht. Hilfestellung soll die folgende Auflistung bieten:

Von der gegnerischen Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung werden erstattet:
 
Reparaturkosten
gegen Vorlage der  quittierten Reparaturrechnung

Totalschaden
Zeitwert nach Gutachten (Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs vor dem Unfall abzgl. Restwert des Fahrzeugs nach dem Unfall) Bei Zugrundelegung eines deutschen Sachverständigengutachtens werden manchmal Kürzungen vorgenommen.

Abschleppkosten
Bis zur nächsten geeigneten Werkstatt, wenn das Fahrzeug nicht mehr fahrbereit ist

Sachverständigenkosten
werden häufig, aber nicht immer erstattet

Wertminderung
Nach Durchführung einer fachgerechten Reparatur wird keine Wertminderung erstattet. Allenfalls bei schweren Beschädigungen

Mietwagenkosten
nur für die Dauer der Reparatur und wenn beruflich notwendig (Fahrt zur Arbeitsstätte allein ist nicht ausreichend), hohe Abzüge (25-35%) wegen ersparter Eigenaufwendungen

Nutzungsausfallentschädigung
ca. EUR 10,00 – EUR 30,00 pro Tag 

 

Nicht erstattet werden:

Anwaltskosten
Anwaltskosten werden jedoch regelmäßig durch eine bestehende Verkehrsrechtsschutzversicherung getragen.

Unfallkostenpauschale
In Deutschland zwischen EUR 20,00 und EUR 30,00

Heilbehandlungskosten und Verdienstausfall werden ersetzt! 

Auch im Falle eines Personenschadens werden nach französischem Recht Kosten für Heilbehandlungen (soweit sie nicht durch die eigene Krankenkasse erstattet werden) oder Verdienstausfall (gegen Nachweis) sowie Schmerzensgeld erstattet.

Für den Fall, dass der Unfallverursacher infolge von Unfallflucht unbekannt ist, können Personenschäden gegenüber einem Garantiefonds geltend gemacht werden, wenn der Versicherungsfall in Frankreich eingetreten ist.

Beachten Sie in jedem Falle die Verjährungsfristen.

Schadensersatzansprüche aus einem Verkehrsunfall in Frankreich verjähren in fünf Jahren bei Sachschäden, beginnend am Unfalltag und zehn Jahren bei Personenschäden.

Autor:   Sebastian Rösner

07.08.2019

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