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Die Bußgeldprofis sind online!

Special One

Während der Probezeit anderes Auto gerammt und weggefahren

Die neue Special-One-Reihe der Bußgeldprofis widmet sich zukünftig ausgewählten Problemen und stellt „echte“ Fälle vor. Auftakt macht ein Straßenverkehrsdelikt, das es von den Folgen her richtig in sich hat: Die Unfallflucht, das wohl am Meisten unterschätzte Delikt im Straßenverkehr.

Was ist passiert?

„Ich habe seit wenigen Monaten den Führerschein. Als ich mit meiner Freundin zum Shoppen fuhr und in der Tiefgarage mit dem Wagen meiner Mutter einparken wollte, habe ich das nebenstehende Auto leicht gerammt. Vor Schreck bin ich dann weggefahren. Aber mich hat jemand gesehen und die Sache der Polizei gemeldet. Ich wollte mich auch später bei der Polizei melden, aber da war es bereits zu spät. Was passiert nun mit meinem Führerschein? Muss meine Freundin auch mit Konsequenzen rechnen?“

Das droht!

Bei dem von Dir geschilderten Sachverhalt handelt es sich ganz eindeutig um eine Unfallflucht. Daran ändert auch nichts der Umstand, dass Du vorhattest, Dich kurze Zeit später bei der Polizei zu melden.

  1. Geldstrafe und Fahrerlaubnis: Die Unfallflucht zieht in der Regel eine Geldstrafe nach sich. Die Frage, ob zusätzlich ein Fahrverbot zwischen ein und drei Monaten verhängt wird oder gar die Fahrerlaubnis ganz entzogen wird (mindestens für sechs Monate, eher aber für etwa zehn bis zwölf Monate) hängt von der Höhe des verursachten Schadens ab.

    Ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs ist derjenige, der bei einer Unfallflucht einen sogenannten Schaden von bedeutendem Wert verursacht. Die Grenze dafür liegt derzeit bei etwa 1.300 Euro. Hast Du also einen Fremdschaden von mehr als 1.300 Euro verursacht, wird höchstwahrscheinlich die Fahrerlaubnis entzogen. Lag der Schaden darunter, kommt maximal ein Fahrverbot von drei Monaten in Betracht. Bei einem sehr geringen Schaden hast Du auch Chancen auf eine Verfahrenseinstellung.

  2. Probleme mit dem Versicherer: Eine Unfallflucht hat darüber hinaus aber noch weitere Konsequenzen. Die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs Deiner Mutter muss erst einmal den Schaden am dem geparkten Auto bezahlen. Denn der Geschädigte kann ja nichts dafür, dass Du sein Auto beschädigt hast. Nachdem der Versicherer den Schaden aber an den Geschädigten ausgezahlt hat, kann er ihn sich bis zu einer Grenze von 2.500 Euro von Dir wiederholen. Das sehen die Versicherungsbedingungen für den Fall der Unfallflucht vor.

  3. Vollkasko zahlt nicht: Zudem hat, falls vorhanden, Euer Vollkaskoversicherer möglicherweise das Recht, den Schaden an Eurem Fahrzeug nicht zu bezahlen, da der Schaden im Zusammenhang mit einer Straftat entstanden ist.

Insgesamt also eine teure Angelegenheit.

Deine Freundin hingegen muss nicht mit Konsequenzen rechnen.

Der Bußgeldprofi-Tipp

Nie, wirklich nie, die Unfallstelle verlassen! Zu einer Zeit, in der jeder über ein Handy verfügt, hätte ein Anruf auch direkt von der Unfallstelle erfolgen können. Selbst dann, wenn Du kein Handy dabei gehabt hättest, hättest Du den Schaden entweder einem Mitarbeiter des Parkhauses melden können, oder aber für einen gewissen Zeitraum an der Unfallstelle warten müssen. Die Rechtsprechung fordert ein zumindest 30minütiges Warten sogar bei Unfällen mitten in der Nacht.

Siehe auch Beitrag "SOS: Die fünf häufigsten Verstöße bei der Probezeit beim Führerschein"

26.08.2016

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