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SOS: Die fünf häufigsten Verstöße in der Probezeit beim Führerschein

Was geschieht bei einem Verstoß in der Probezeit mit mir und dem Führerschein? Die Bußgeldprofis stellen die fünf häufigsten Verstöße in der Probezeit beim Führerschein vor und geben Erste-Hilfe-Tipps.

 Informationen zur Probezeit

Grundsätzlich dauert die Probezeit beim Führerschein in Deutschland zwei Jahre. Sie beginnt an dem Tag, an dem die Fahrerlaubnis erteilt wird, also mit Bestehen der praktischen Fahrprüfung. Die Probezeit gilt für die Führerscheine der Klassen B, A, C und D. Auch für den Führerschein mit 17 Jahren gilt die zweijährige Probezeit. Für die Mofaprüfbescheinigung und den Führerschein der Klasse AM – zweirädrige Kleinkrafträder mit einem Hubraum von bis zu 50 Kubikzentimetern – gilt die Probezeit nicht. Die Probezeit wird nie verkürzt  – aber durchaus verlängert. Bei schwerwiegenden Verkehrsverstößen kann sich die Probezeit um zwei Jahre auf insgesamt vier Jahre verlängern.

 

Welcher Verstoß liegt bei Dir vor: A oder B

In der Probezeit werden Verfehlungen in A- und B-Verstöße unterteilt:

A-Verstoß: Es handelt sich um einen schwerwiegenden Verkehrsverstoß. Begehst Du einen A-Verstoß, verlängert sich die Probezeit um zwei Jahre. In der Regel wird der Fahranfänger zudem von der Behörde innerhalb einer bestimmten Frist zur Teilnahme an einem Aufbauseminar verpflichtet. Beispiele für einen A-Verstoß sind

  • das Fahren unter Alkohol oder Drogen,

  • das Überholen im Überholverbot,

  • Unfallflucht,

  • Nötigung,

  • mangelnder Sicherheitsabstand,

  • rote Ampel überfahren,

  • eine Geschwindigkeitsüberschreitung, diese aber erst ab einer vorwerfbaren Überschreitung von mindestens 21 km/h.

B-Verstoß: Zu den B-Verstößen zählen die weniger schwerwiegenden Verkehrsverstöße. Die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre, wenn zwei B-Verstöße vorliegen. Beispiele für einen B-Verstoß sind

  • Nichtbeachten eines Stoppschildes,

  • Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung,

  • Ohne Licht bei Nebel fahren,

  • Fahren mit abgefahrenen Reifen.

Die fünf häufigsten Verstöße bei der Probezeit

Verstoß Nr. 1: Rote Ampel während der Probezeit überfahren
Frage: Ich bin in der Probezeit geblitzt worden, als ich über eine rote Ampel gefahren bin. Was droht mir?

Antwort: Ein Rotlichtverstoß in der Probezeit ist ein sogenannter A-Verstoß, der bei entsprechender Ahnung zu einer verpflichtenden Teilnahme an einem kostenpflichtigen Aufbauseminar und einer Verlängerung der Probezeit um weitere zwei Jahre führt.

Erste-Hilfe-Tipp zum Aufbauseminar: Unbedingt am Aufbauseminar teilnehmen, sich nicht verweigern. Ansonsten droht nämlich der Entzug der Fahrerlaubnis. Das Aufbauseminar kann meist in der Fahrschule durchgeführt werden. Aber nicht jeder Fahrlehrer darf Aufbauseminare durchführen. Nur speziell ausgebildete Fahrlehrer sind hierzu berechtigt. Daher unbedingt bei Eurer Fahrschule vorher fragen oder Freunde fragen, ob die jemanden kennen. In diesem Seminar werden die begangenen Verkehrsdelikte besprochen und meist gehört eine Fahrprobe mit dem Fahrlehrer dazu. Die Kosten müsst Ihr selbst tragen, da kommen schnell mal bis zu 500 Euro zusammen.

Verstoß Nr. 2: In der Probezeit zu schnell gefahren
Frage: Ich bin 25 km/h zu schnell gefahren und das am Ende meiner Probezeit. Wird die Probezeit nun verlängert?

Antwort: Eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mindestens 21 km/h (also auch genau 21 km/h!) ist ein A-Verstoß. Hier musst Du an einem kostenpflichtigen Aufbauseminar  teilnehmen (siehe Tipps in Verstoß Nr. 1) und damit rechnen, dass sich die Deine Probezeit um zwei Jahre verlängert.

Hinweis: Eine Überschreitung von bis zu 20 km/h stellt zwar einen B-Verstoß dar, dieser hat aber keinen Einfluss auf die Probezeit. Hier wird lediglich ein Bußgeld von bis zu 30 Euro fällig. Dies gilt aber nur, wenn es sich um den ersten Verstoß innerhalb der Probezeit handelt. Erst ab dem zweiten B-Verstoß innerhalb der Probezeit verlängert sich diese um zwei Jahre und Teilnahme an einem Aufbauseminar ist Pflicht.

Verstoß Nr. 3: Zu schnell gefahren  - und das mit dem Auto meiner Mutter. Welche Konsequenzen drohen denn jetzt meiner Mutter?
Frage: Als ich mit dem Auto meiner Mutter unterwegs war, war ich zu schnell unterwegs und wurde prompt geblitzt. Erfährt meine Mutter davon? Kann ich das irgendwie verhindern?

Antwort: Grundsätzlich kann nach deutschem Recht für Geschwindigkeitsüberschreitungen nur der derjenige zur Verantwortung gezogen werden, der auch tatsächlich gefahren ist. Da die Bußgeldbehörde ja nicht wissen kann, wer gefahren ist, schreibt sie erst einmal den Fahrzeughalter an und fragt bei dem nach. Hier wird also Deine Mutter angeschrieben und gefragt, wer denn das Fahrzeug zur Tatzeit gefahren hat. Deine Mutter erfährt also zwingend von dem Verstoß, verhindern kannst Du das nicht.

Sie muss Dich aber nicht als Fahrer der Behörde melden, denn als nahe Angehörige hat sie ein Zeugnisverweigerungsrecht, auf welches sie sich berufen darf. Eine Strafe muss Deine Mutter nicht fürchten. Wenn aber der tatsächliche Fahrer nicht ermittelt werden kann, droht Deiner Mutter eine Fahrtenbuchauflage, sie müsste dann also für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten ein Fahrtenbuch führen. Ob ein solches Fahrtenbuch auferlegt wird liegt im Ermessen der Behörde. In letzter Zeit wird davon zunehmend Gebrauch gemacht.

Verstoß Nr. 4: Zwei Mal in der Probezeit negativ aufgefallen.
Frage: Ich bin jetzt in der Probezeit  innerhalb von 15 Monaten zwei Mal negativ aufgefallen: Beide Male wegen Fahren ohne Freisprecheinrichtung. Ein Freund sagte nun, dass ich meine 2-jährige Probezeit vergessen könne. Aber es handelt sich doch um zwei B-Verstöße. Was ist jetzt richtig?

Antwort: Ja, es liegen zwei B-Verstöße vor. Aber: Liegen innerhalb einer Probezeit zwei B-Verstöße vor, ist das eben ein B-Verstoß zu viel. Damit verlängert sich Deine Probezeit um weitere zwei Jahre.

Verstoß Nr. 5: Alkoholisiert mit dem Auto während der Probezeit unterwegs gewesen
Frage: Ich bin mit 0,4 Promille nach einem Festival-Besuch nach Hause gefahren. Dabei geriet ich in eine Polizeikontrolle. Was erwartet mich?

Antwort: Gilt bei Fahrern nach der Probezeit die 0,5 Promille-Grenze, ist bei Fahranfängern innerhalb der Probezeit eine 0,0 Promille-Grenze Pflicht. Bei Verstoß hiergegen droht nicht nur ein Bußgeld in Höhe von mindestens 250 Euro, sondern auch ein Punkt in Flensburg. Zudem gilt: Sobald bei einem A-Verstoß Alkohol oder Drogen mit im Spiel sind, kommt ein normales Aufbauseminar nicht mehr in Frage. Dann wird man zu einem speziellen Aufbauseminar verpflichtet. Diese werden in der Regel von Verkehrspsychologen durchgeführt.

Vorsicht: Schon ab einem Punkt in Flensburg wird die Probezeit von zwei auf vier Jahr verdoppelt und ein Aufbauseminar wird zur Pflicht. Probezeit-Kandidaten haben auch keine Chance, Punkte abzubauen!

16.08.2016

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