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Verkehr & Recht

Raser und illegale Autorennen: Justitia und ihre Entscheidungen, Teil 2

Kein Tag, an dem wir nicht aus irgendeiner Großstadt von Unfällen durch Raser hören. Keine Woche, wo die Polizei nicht gegen Raser in Städten, Kreisen und Gemeinden vorgehen muss. Doch auch die Justiz muss sich mit immer mehr „Raser“-Unfällen beschäftigen. Tendenz: Das Strafmaß wird höher.

Wer sind die Täter?

Zunächst: Wer sind die Raser eigentlich? Statistisch gesehen bilden der Anteil der 18- bis 25-jährigen (gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung) in der Unfallstatistik die am meisten gefährdete und betroffene Altersgruppe. Meist sind es Männer, die auch mit PS-starken Nobelmarken unter Lebensgefahr für sich und andere auf das Gaspedal treten. Diese Kurz-Statistik spiegelt sich auch in den nachfolgenden Fällen wieder. Die Angeklagten sind fast alle männlich und fast immer in der entsprechenden Altersstruktur oder nahe dran.

Wie viele Opfer illegaler Autorennen gibt es?

Wie viele Menschen bei illegalen Autorennen verletzt oder getötet werden, ist unbekannt. Denn es gibt bisher keine Statistik der Opferzahlen in Deutschland. In Köln kamen im Jahr 2015 drei unbeteiligte Verkehrsteilnehmer bei illegalen Autorennen ums Leben. In Berlin stehen gerade zwei Fahrer vor Gericht. 2014 tötete ein betrunkener Raser eine junge Inline-Skaterin in Nürnberg. Er war mit seinem fast 300 PS starken Auto bis zu knapp 130 Stundenkilometer unterwegs. Als Konsequenz aus dem Unfall wurde auf der Straße eine Tempo-30-Zone eingerichtet. Das Amtsgericht Nürnberg verurteilte den 27-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren und zehn Monaten Haft.

Bei einem illegalen Autorennen in Hagen wurden fünf Menschen schwer verletzt, darunter zwei Kinder. Ein kleiner Junge befindet sich in Lebensgefahr. Laut Polizei lieferten sich zwei 33 und 46 Jahre alte Autofahrer ebenfalls in Hagen ein Rennen. Als eine 76-Jährige mit ihrem Kleinwagen am Fahrbahnrand losfuhr, wollte der 46-Jährige den Ermittlungen zufolge ausweichen und geriet dabei in den Gegenverkehr

Neben Köln, Berlin, Nürnberg und Hagen sind viele andere Städte, Landkreise und Gemeinden mittlerweile Schauplätze illegaler Autorennen. Experten unterscheiden zwischen verabredeten Veranstaltungen und spontanen Rennen. Letztgenannte spielen sich eher am späten Abend oder nachts ab.

Einige Entscheidungen

Ende 2015 legte ein 20-jähriger Autofahrer Einspruch gegen seinen Bußgeldbescheid vor dem Amtsgericht Köln ein. Der Vorwurf lautete „Illegales Autorennen“. Die Geldbuße betrug 400 EUR, zudem gab es einen Monat Fahrverbot sowie zwei Punkte in Flensburg. Der Autofahrer vertrat die Ansicht, dass er zwar „gravierende“ Fahrverstöße begangen habe, aber eben nicht an einem illegalen Autorennen beteiligt war. Nach Aussagen der Zivilfahnder fuhr er mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit, drängelte die übrigen Verkehrsteilnehmer, wechselte immer wieder auf gefährdende Weise die Fahrspur und traf schließlich auf einen offensichtlich gleichgesinnten ihm unbekannten Mercedesfahrer, mit dem er sich nach Überzeugung der Zivilfahnder spontan ein Rennen lieferte. Nach einem Hinweis der Richterin zog der Autofahrer seinen Einspruch zurück.

Ein Urteil, das im April 2016 für Empörung sorgte: Bewährung und Sozialstunden waren die Strafen für zwei junge Männer (22 und 23 Jahre), die bei einem Autorennen eine 19-Jährige getötet haben. Die beiden Verurteilten haben frühestens in dreieinhalb Jahren die Chance, ihre Führerscheine zurückzubekommen. Das Problem für die Richter der 17. Großen Strafkammer vor dem Landgericht Köln war, dass kein Beweis dafür vorlag, dass die jungen Männer zu der Szene gehört, die sich regelmäßig illegale Rennen in der Stadt liefern. Die Revision der Staatsanwalt läuft noch.

Das Landgericht Köln verurteilte einen Autofahrer zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung. Der 27-Jährige war mit mehr als 100 Sachen durch die Stadt gerast und tötete dabei einen jungen Radfahrer.

Nach einem tödlichen Autorennen in Berlin steht erstmals der Vorwurf des Mordes im Raum, wenn es um Raser geht. Mit mehr als 160 Kilometern pro Stunde sollen sich die beiden Angeklagten durch die Innenstadt von Berlin gejagt haben. Dann rammte einer der beiden Raser mit seinem Sportwagen einen Jeep. Dessen Fahrer starb. Der Staatsanwalt argumentiert erstmals in Deutschland wie folgt: „Die Angeklagten versuchten das illegale Straßenrennen zu gewinnen und sich die damit verbundene und angestrebte Selbstbestätigung zu sichern.“ Damit hätten sie die tödlichen Folgen billigend in Kauf genommen. Zwei Mordmerkmale seien erfüllt:

  • Ein Handeln aus niedrigen Beweggründen und mit gemeinsamen Mitteln

  • Einsatz eines gemeingefährlichen Tatmittels

Bußgeldprofi wird die Fälle weiterhin beobachten und darüber berichten.

Ausblick: In Teil 3 geht es um die Zukunft 2017: Welche Strafen könnte es zukünftig geben? Der neue Gesetzesentwurf unter der bußgeldprofi-Lupe.

Teil 1 verpasst? Kein Problem! Hier können Sie den Beitrag „Strafe 2016: Mit welchen Strafen müssen Raser derzeit rechnen?“ lesen.

04.10.2016

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