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Aktuelle Fälle

Nichts geht mehr: Autoverkäufer wegen illegalem Autorennen gekündigt!

Es gibt viele Konsequenzen, wenn es um „Raser und Illegale Autorennen auf öffentlichen Straßen“ geht. Die meisten betreffen den Ordnungswidrigkeiten-Bereich und den strafrechtlichen Rahmen um den geplanten Gesetzesentwurf. Wie der folgende Beitrag zeigt, kann die Teilnahme an einem illegalen Autorennen auch zum Verlust des Jobs führen.

Der Sachverhalt

In einer Nacht im März 2016 griff die Polizei den – nennen wir ihn mal – A auf, wie er ohne gültigen Führerschein auf einem in Deutschland nicht zugelassen Renn-Quad alkoholisiert fuhr. Er lieferte sich dabei gerade mit einer anderen Person ein Rennen durch die Innenstadt. Die andere Person fuhr dabei einen auf A zugelassenen und ihm gehörenden Lamborghini. Dabei soll er mit weit überhöhter Geschwindigkeit mehrere rote Ampeln missachtet haben. Der Arbeitgeber hatte von A genug und warf ihn fristlos raus.

Hintergrund für die Aktion: Bereits 2014 habe A mit einem Fahrzeug der Schwestergesellschaft des Arbeitgebers alkoholisiert einen Unfall mit Totalschaden verursacht, woraufhin ihm der Führerschein entzogen worden sei. Hierfür sei A abgemahnt worden. Der Chef war der Ansicht, die Weiterbeschäftigung von A sei nicht mehr zumutbar.

A stellt die Situation ganz anders dar. Er habe mit seiner Lebensgefährtin nach einer Feier den Lamborghini aus einer Halle abholen wollen. Seine Lebensgefährtin habe das Fahrzeug aus der Halle gefahren und den Motor im Standgas laufen lassen. Beide hätten sodann das WC genutzt. Plötzlich habe er den Motor des Lamborghini laut aufheulen gehört und festgestellt, dass sich ein Dritter des Fahrzeugs bemächtigt haben muss, das anscheinend gestohlen werden sollte. Im Schockzustand habe er dann die Entscheidung getroffen, das sich ebenfalls in der Halle befindliche Quad zur Verfolgung des Diebs zu nutzen. Die Kündigung sei weder fristlos noch fristgemäß gerechtfertigt.

Die Entscheidung des Arbeitsgerichts

Das Arbeitsgericht (Urteil vom 12.07.2016, Az.: 15 Ca 1769/16) gab dem Chef Recht. Die fristlose Kündigung sei wirksam, da dem Chef die Weiterbeschäftigung des A nicht mehr zumutbar ist. Selbst wenn die Situation so gewesen wäre, wie A sie darstellt, rechtfertige dies keine Verfolgungsjagd in alkoholisiertem Zustand unter mehrfachen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung.

Auch die Tatsache, dass der Vorfall außerhalb der Jobzeiten passiert sei, würde daran nichts ändern. Das Vertrauen des Arbeitgebers in die Eignung des A als Autoverkäufer sei durch sein Verhalten schwer erschüttert und habe das Ansehen des Hauses gefährde. Zudem sei zu berücksichtigen, dass er wegen eines vergleichbaren Fehlverhaltens im Straßenverkehr im Jahre 2014 bereits abgemahnt worden und ihm die Fahrerlaubnis entzogen worden sei.

Ausblick: In den ersten vier Teilen der Serie kamen die Justiz und die Politik zu Wort: Welche Strafen drohen, wie sieht die Zukunft aus? Doch was hält ein Verkehrsrechtler von der angekündigten Straferhöhung – und was nicht? Das lesen Sie im fünften Teil der Serie.

Teile 1-3 verpasst? Kein Problem! Hier können Sie die Beiträge nachlesen:
- Teil 1: „Strafe 2016: Mit welchen Strafen müssen Raser derzeit rechnen?“
- Teil 2: „Justitia und ihre Urteile: Unterschiedlich, aber Tendenz steigend“
- Teil 3: „Zukunft 2017: Welche Strafen könnte es zukünftig geben? Der neue Gesetzesentwurf unter der Kanzlei-Lupe“

10.10.2016

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