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Verkehr & Recht

Kleines Tunnel ABC

Wer mit dem eigenen PKW oder Wohnmobil zum Urlaubsort fährt, kommt mitunter um die Nutzung von Tunneln nicht umhin. Damit dies komplikationslos verläuft, sollten nicht nur die Besonderheiten einer Tunneldurchfahrt, sondern auch die Konsequenzen bekannt sein, die bei einer Verletzung der geltenden Vorschriften drohen.

Allgemeine Verhaltensregeln

Viele Tunnel sind sehr eng dimensioniert und es ist weder ein Ausweichen, noch ein Wenden möglich. Aufgrund der erhöhten Unfallgefahr sollten Tunnel daher stets mit gesteigerter Aufmerksamkeit durchfahren werden.

Sollte es im Tunnel zu einem Unfall, Stau oder einer sonstigen Störung gekommen sein, ist es wichtig schnellstmöglich informiert zu sein. Schalten Sie bereits vor Einfahrt in einen Tunnel unbedingt das Radio/den Verkehrsfunk ein. Wenn Sie an sonnigen Tagen mit einer Sonnenbrille unterwegs sind, setzen sie diese noch vor der Einfahrt in den Tunnel ab. Beachten Sie bei der Einfahrt in den Tunnel unbedingt, dass sich die Augen erst an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnen müssen und passen Sie Ihre Fahrtgeschwindigkeit entsprechend an.

Schalten Sie bei der Einfahrt in den Tunnel unmittelbar das Abblendlicht Ihres Fahrzeuges ein. Halten Sie sich im Tunnel an das Rechtsfahrgebot. Die Fahrstreifenbegrenzung am rechten Fahrbahnrand ist eine gute Orientierungshilfe. Halten Sie in jedem Fall den erforderlichen Sicherheitsabstand zum Vordermann ein, um Auffahrunfälle zu vermeiden. Rückwärtsfahren und Wenden sind im im Tunnel tabu. Auch auf das Anhalten des Fahrzeugs sollte - abgesehen von äußersten Notfällen - verzichtet werden.

Verkehrszeichen sind zu beachten

Beachten Sie unbedingt vorhandene Ampeln und Verkehrszeichen. Nicht selten sind Tunnel mit elektronischen Verkehrsbeeinflussungsanlagen ausgestattet, die  über wechselnde Verkehrszeichen verfügen. Etwa vorhandene „herkömmliche“ Verkehrszeichen treten dahinter zurück. Hinsichtlich der Geschwindigkeit bestehen in Tunneln keine Besonderheiten. Für die einzuhaltende Höchstgeschwindigkeit kommt es indes darauf an,  ob sich der Tunnel innerorts bzw. außerorts befindet oder besondere Anordnungen durch Verkehrszeichen vorhanden sind. Da die beengten Verhältnisse im Tunnel besondere Anforderungen an die Rettung etwaiger Unfallopfer stellen, sollten Sie immer mit angepasster Geschwindigkeit fahren, um das allgemeine Unfallrisiko bestmöglich zu minimieren.

Blitzerfalle Tunnel

Wegen der besonderen Unfallträchtigkeit von Geschwindigkeitsüberschreitungen, sind in vielen Tunneln stationäre Blitzer installiert. Um Ablenkungen zu vermeiden, sind diese mit einer speziellen Fotoeinheit ausgestattet, deren Blitz für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist. Schnellfahrer können hier böse Überraschungen erleben, wenn sie später einen Bußgeldbescheid erhalten, obgleich sie den Messvorgang aufgrund des „Schwarzblitzes“ gar nicht bemerkt haben können.

Die zulässigen Fahrzeughöchstmaße sind bei Einfahrt in den Tunnel zu beachten

Besonders LKW-Fahrer sollten darauf achten, dass weder Zugmaschine, noch Anhänger oder Auflieger die zulässigen Abmessungen überschreiten. Dies gilt auch für mitgeführtes Ladegut. Denn das Auslösen einer etwa vorhandenen automatischen Höhenkontrolle hat für den Fahrer ein erhebliches Bußgeld zur Folge. Wenn die Beladung zu einer Höhenüberschreitung mit nachfolgender Auslösung der Höhenkontrolle nebst Tunnelsperrung führt, beträgt die anfallende Geldbuße 160 Euro. Beruht die Höhenüberschreitung auf den Fahrzeugausmaßen an sich und wird dadurch die automatische Höhenkontrolle mit Tunnelsperrung ausgelöst, dann droht sogar eine Regelgeldbuße in Höhe von 240 Euro. Punkte drohen bei beiden vorgenannten Tatbeständen nicht.

Was für Bußgelder drohen für typische Verstöße in Tunneln?

Wer im Tunnel ohne Abblendlicht fährt wird, wenn der Verstoß völlig folgenlos bleibt, mit einer Geldbuße von 10 Euro belegt. Bei einer Gefährdung erhöht sich die Geldbuße auf 15 Euro, bei einem Verkehrsunfall auf 35 Euro.

Wenden im Tunnel wird mit 60 Euro Geldbuße geahndet. Wenn das Wendemanöver zu einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer führt, erhöht sich die Geldbuße auf 75 Euro. Bei Einritt eines Verkehrsunfalls werden 90 Euro fällig. In jedem Fall  wird das Wenden mit 1 Punkt im Fahreignungsregister geahndet.

Für das Halten in einer Nothalte- bzw. Pannenbucht beträgt die Geldbuße 20 Euro. Das Parken an entsprechender Stelle kostet 25 Euro. Wenn sich der Tunnel außerorts befindet und je Fahrtrichtung über mindestens 2 Fahrstreifen verfügt, ist nach einem Verkehrsunfall eine Rettungsgasse zu bilden. Verstöße gegen diese Verpflichtung werden mit einer Regelgeldbuße von 200 Euro und 2 Punkten geahndet. Kommt es aufgrund der fehlenden Rettungsgasse zu einer Gefährdung, erhöht sich die Geldbuße auf 280 Euro. Dem Bußgeldkatalog zufolge drohen bei Eintritt einer Sachbeschädigung 320 Euro. Weiterhin werden die beiden letztgenannten Verstöße mit jeweils 2 Punkten und einem Fahrverbot von 1 Monat sanktioniert. Für weitergehende Informationen zur Rettungsgasse und der Behinderung von Rettungskräften verweisen wir auf unseren Artikel vom 04.01.2018.

Kanzlei Voigt Praxistipp

Die speziellen Verhältnisse und das erhöhte Unfallrisiko bei der Durchfahrt von Tunneln erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit. Abgesehen davon, dass viele Tunnel rund um die Uhr mit fest installierten Messgeräten überwacht werden, sollte die zulässige Höchstgeschwindigkeit schon zur Gewährleistung der eigenen Sicherheit eingehalten werden.

Wer ins Ausland fährt, sollte sich bereits vorab über die dort zulässigen Höchstgeschwindigkeiten erkundigen. Dabei sollte unbedingt im Hinterkopf behalten werden, dass die Bußgelder für Geschwindigkeitsverstöße im Ausland teilweise erheblich höher ausfallen als in Deutschland.

Sollte es trotz aller Vorsicht zu einem Verstoß kommen, beraten wir Sie gerne unverbindlich über drohende Rechtsfolgen und die Erfolgsaussichten in Ihrer Angelegenheit. Das Team der ETL Kanzlei Voigt wünscht Ihnen in jedem Fall eine gute Reise und erholsame Urlaubstage!

 Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons, Ingo Jakubke  

20.07.2018

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