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Interview mit einem Rechtsexperten "Härtere Strafen für Raser können abschrecken!"

Zum Themenbereich „Raser und illegale Autorennen“ ist Rechtsanwalt Christoph Reuter, Niederlassungsleiter der Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH in Köln, einer der ersten Ansprechpartner für die Medien. Bussgeldprofi.de fragte daher direkt bei ihm nach, was es mit den illegalen Autorennen auf sich hat, was eine Straferhöhung bringen kann – und was nicht.

Es gibt viele Anwälte für Verkehrsrecht. Ist man jedoch auf der Suche nach jemanden, der flächendeckend und hochspezialisiert arbeitet, wird die Auswahl bereits deutlich geringer. Ein Name, der hierbei sofort ins Auge sticht, ist die Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH. Mit ihren 200 Mitarbeitern und in Deutschland an 27 Standorten vertreten, kümmern sich die Experten vor Ort um die Probleme ihrer Mandanten.

Bussgeldprofi.de: Sind illegale Autorennen ein neues Phänomen?

C. Reuter: In diesem Ausmaß und in dieser Häufung wie in den vergangenen Jahren: Ja. Es haben sich in größeren Städten, wie Köln oder Berlin, Raser-Szenen entwickelt, die keine Nachwuchs-Sorgen haben.

Bussgeldprofi.de: Wie setzt sich die Szene zusammen? Vom Azubi bis zum Unternehmensberater?

C. Reuter: Nach den Erkenntnissen der ermittelnden Sonderkommissionen der Polizei handelt es sich vorwiegend um Führerschein-Neulinge, die sich häufig noch in der Probezeit befinden. Es sind ausschließlich junge Männer, häufig mit Migrationshintergrund, die ihre einzige Chance auf Anerkennung und Profilierung in dieser Szene sehen. Das Auto ist hier ganz klar das Statussymbol – und natürlich der zweifelhafte „Ruhm“ in der Szene, erarbeitet durch riskante, halsbrecherische Rennen.

Bussgeldprofi.de: Können härtere Strafen helfen und tatsächlich abschrecken?

C. Reuter: Härtere Strafen können abschrecken, wenn sie der Baustein eines gesamten Präventions-Konzepts sind, in das auch Polizei und Justiz eingebunden werden. Denn erst eine hohe Aufklärungsrate und kurze Verfahrensdauer lassen empfindliche Sanktionen auch spürbar werden. Nur wenn der potenzielle Raser weiß, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit erwischt und ihm dann binnen kürzester Zeit der Prozess gemacht wird, nimmt er Abstand von seinem gefährlichen Tun.

Bussgeldprofi.de: Was wäre aus Ihrer Sicht sinnvoll, um illegale Autorennen zu vermeiden?

C. Reuter: Strengere Kontrollen der Polizei und ein Durchgreifen der Justiz, die den höheren Begründungsaufwand für die Ausschöpfung des Strafmaßes nicht scheut. Beides ist allerdings mit höheren Personalkosten verbunden – und die sind in der Politik sehr unpopulär. Verschärfungen des Strafmaßes sind da wesentlich billiger zu haben.

Bussgeldprofi.de: Stehen Sie als Bußgeldprofi nicht eigentlich eher auf der Seite des Rasers, um ihn vor Gericht zu verteidigen?

C. Reuter: Als Bußgeldprofis sind wir schwerpunktmäßig in dem Bereich tätig, in den mal jeder Durchschnitts-Autofahrer gelangt: fahrlässige Geschwindigkeitsüberschreitungen, Abstandsunterschreitungen, Rotlichtverstöße. Also Verkehrsverstöße, die jedem einmal aus Unachtsamkeit unterlaufen können. Wir überprüfen dann die Ermittlungsakten und bewahren den Betroffenen mit unserer Verteidigung häufig vor Punkten und Fahrverboten. Das sind Ordnungswidrigkeiten, die nichts mit illegalen Autorennen zu tun haben.

Vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Gespräch, Herr Reuter.

Special: In unserer Mediathek  finden Sie ein fünfminütiges Statement mit Christoph Reuter aufgezeichnet beim Fernsehsender n-tv.

Teil 1-4 verpasst? Kein Problem! Hier können Sie die Beiträge nachlesen:
- Teil 1: „Strafe 2016: Mit welchen Strafen müssen Raser derzeit rechnen?“
- Teil 2: „Justitia und ihre Urteile: Unterschiedlich, aber Tendenz steigend“
- Teil 3: „Zukunft 2017: Welche Strafen könnte es bald geben? Der neue Gesetzesentwurf unter der Kanzlei-Lupe“
- Teil 4: „Nichts geht mehr: Autoverkäufer wegen illegalem Autorennen gekündigt!“

12.10.2016

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