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Verkehr & Recht

Gefährliche Gaffer

Sobald sich irgendwo in Deutschland ein Unfall ereignet hat, sind sie nicht fern: Die Gaffer. Wie Nachtfalter um die Laternen schwärmen, werden Schaulustige vom Blaulicht am Ort des Unfallgeschehens angezogen. Dabei stellt die Neugierde von Gaffern in vielfacher Hinsicht eine Gefahr dar - nicht nur für die Unfallopfer, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer.

Behindern von Rettungskräften

Wenn sich Menschentrauben um das Unfallgeschehen bilden, erschwert es nicht nur den Rettungskräften ihre Arbeit, sondern setzt im Extremfall auch Leben aufs Spiel. Je nach Größe der Gruppe, können die Helfer nicht oder nur schwer zu den Verletzten vordringen, um sie zu versorgen.

Doch es geht noch schlimmer, wie die Begleitumstände nach einem Unfall vom 21.10.2018 zeigten, der sich in Bottrop ereignet hat. Aus noch ungeklärter Ursache war ein Autofahrer gegen zwei stehende Fahrzeuge gefahren. Dabei wurden drei Unfallbeteiligte verletzt, zwei von ihnen sogar schwer.

Die hinzugerufene Polizei, die zunächst den Verletzten erste Hilfe leisten wollte, wurde von einigen der 50 Schaulustigen nicht nur beschimpft oder bedrängt, sondern sogar aktiv angegriffen. Leider ist dies keine Seltenheit mehr. Nachdem Verstärkung hinzugerufen wurde, waren 13 Streifenwagen und 18 Einsatzkräfte der Feuerwehr vor Ort. Gegen die beiden angriffslustigen Schaulustigen läuft nun ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.

Gaffer als Unfallgefahr

Doch nicht nur für die Unfallbeteiligten stellen Gaffer eine Gefahr dar. Vielmehr können sie durch ihr Verhalten auch selbst zur Unfallgefahr werden, sei es durch das unbedachte Umherstehen auf Straßen oder ihr Fahrverhalten. Insbesondere auf Autobahnen werden Gaffer - trotz der geforderten härteren Strafen - immer wieder zu Verkehrshindernissen. Um den Unfall auf der Gegenfahrbahn möglichst genau in Augenschein zu nehmen oder gar zu fotografieren oder zu filmen, wird besonders langsam gefahren. Dies zeigt nicht nur ein Auffahrunfall auf der A40 zu Beginn dieses Jahres, der durch einen Gaffer-Stau verursacht wurde.

Auch am vergangenen Montag konnte ein Schaulustiger seiner Neugierde nicht widerstehen. Ein Sattelzug samt Auflieger fiel am 22.10.2018 gegen halb vier nachmittags auf, als er auf der Gegenfahrbahn der Unfallstelle den LKW unerwartet bis zum Stillstand abbremste, um das Unfallgeschehen für ca. 10 Sekunden mit seinem Mobiltelefon festzuhalten. Der hinter ihm fahrende Verkehr wurde durch sein Verhalten gezwungen ebenfalls stark abzubremsen. Ein Vorbeikommen war aufgrund des starken Verkehrs auf dem Mittelstreifen nicht möglich. Dass es zu keinem Unfall kam, war ausschließlich den nachfolgenden Autofahrern zu verdanken. Die Polizei sucht derzeit noch nach Zeugen, um den circa 40 bis 45-jährigen Fahrer des Lastzugs zu ermitteln.

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Dass das Fotografieren und Filmen von Verletzten an der Unfallstelle verboten ist, haben wir bereits in unserem Beitrag „Wenn der Sensationswahn zur Gefahr für Dritte wird - Folgemeldung“ behandelt. Und auch der Gesetzgeber sieht Handlungsbedarf - nicht nur hinsichtlich der am Unfall verletzten Personen, sondern auch bei tödlichen Folgen.

Gaffen ist kein Kavaliersdelikt, sondern gefährdet schlimmstenfalls Menschenleben. Wer Verletzten helfen kann, sollte dies auch tun. Wer sich dazu außer Stande sieht und auch kein Unfallzeuge ist, sollte den Unfallort räumen, um Polizei und Rettungskräfte nicht zu behindern. Wer dennoch zum Hindernis wird, muss mit Konsequenzen rechnen.

Außerdem müssen Gaffer zunehmend mit Strafverfolgung rechnen: Bei einem Fahrzeugbrand auf der A2 vom 06.10.2018 filmte die Polizei die ihrerseits filmenden Gaffer in den vorbeifahrenden Fahrzeugen und konnte so bereits vier von ihnen ermitteln.

26.10.2018

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