• Hotline 0800-28774353 (0800-BUSSGELD)

Die Bußgeldprofis sind online!

Aktuelle Fälle

Freibier auf der Autobahn

Am 25.10.2017 kam es auf der A 45 zwischen den Anschlussstellen Florstadt und Wölfersheim zu einem Unfall zwischen einem mit Bier beladenen LKW und einem PKW.

Der Mitteilung des Polizeipräsidiums Mittelhessen zufolge, kam es zu dem Unfall, als die Fahrerin des PKW nach rechts von der Fahrbahn abkam und dabei zunächst mit der Leitplanke und anschließend mit dem LKW kollidierte. Dieser kam daraufhin nach links ab und stieß gegen die Mitteilleitplanke. Als dabei die Plane auf der rechten Seite aufriss, verteilten sich 1.500 Kästen mit 30.000 Bierflaschen samt Inhalt auf der Fahrbahn.

Biertransport ist nicht gleich Biertransport und jede Ladung hat ihre eigenen Herausforderungen

Der Transport großer Biermengen in Tankwagen ist vergleichsweise unkompliziert. Die größten Herausforderungen bestehen hier darin, die Tanks auf Brauereiniveau zu reinigen und dem Verlader möglichst keim- und sauerstofffrei, am besten unter Kohlensäureatmosphäre stehend, zur Verfügung zu stellen. Allerdings gilt es auch beim Biertransport - wie bei allen Flüssigkeitstransporten - gewisse Besonderheiten zu beachten. Welche dies genau sind wird davon beeinflusst, ob es sich um einen Transport im Container, Ein- oder Mehrkammertanks oder Kombizüge mit höhenverstellbaren Großraumtank und ebener Ladefläche handelt. Für die Art und Weise der Beladung und deren Sicherung ist entscheidend, ob es sich um leere oder befüllte Kasten- oder Fassware handelt.

Das Transportmittel muss geeignet sein

§ 30 Absatz 1 StVZO schreibt vor, dass „Fahrzeuge ... so gebaut und ausgerüstet sein (müssen), dass ihr verkehrsüblicher Betrieb niemanden schädigt oder mehr als unvermeidbar gefährdet, behindert oder belästigt,...“. Das eingesetzte Fahrzeug muss daher so konstruiert sein, dass es die, durch die Ladung beeinflussten und in Extremsituationen auftretenden Kräfte auch unbeschadet aufnehmen kann. Für Getränketransporter, insbesondere Auflieger, bedeutet dies, dass sie die Anforderungen der DIN EN 12642-XL erfüllen sollten. Ist dies der Fall, ist der Aufbau in der Lage die entstehenden Kräfte abzufangen. Dies ist gewährleistet, wenn die Stirnwand 50%, die Seitenwand 40% oder die Rückwand 30% der Nutzlast aufnehmen kann, ohne dass Verformungen zurückbleiben. Weiterhin muss es möglich sein, Distanzlatten oder senkrechte Sicherungssystemen zu befestigen. Bei standardmäßigen Curtainsidern (eine Aufbaukonstruktion ohne feste Seitenwände) ist dieses oftmals nicht gegeben.

Die allgemeinen Grundsätze der Ladungssicherung gelten auch hier

Der Grundsatz des § 22 StVO, wonach die Ladung „so zu verstauen und zu sichern (ist), dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen“ kann, gilt auch hier. Da jedes Ladegut, unabhängig von seinem Gewicht, verrutschen und kippen kann und eine Fahrzeugplane kein Hilfsmittel zur Ladungssicherung ist, ist die Ladungssicherung in jedem Fall dem jeweiligen Ladegut anzupassen. Der Einsatz von Spriegeln oder Rungen kann daher ebenso unverzichtbar sein, wie der von reibungserhöhenden Unterlagen. Die VDI-Richtlinie 2700 Blatt 12 zur Ladungssicherung bei Getränketransporten gibt hier wertvolle Hinweise.

In jedem Fall sollte die Ladung aber formschlüssig geladen und im Zweifelsfall durch eine zusätzliche Niederzurrung oder die Bildung formschlüssiger Gefache abgesichert werden. Ladelücken nach hinten sollten gesichert und die Stirnwand oder vor die eigentliche Ladung gestellte Paletten mittels geeigneter Zurrgurte in einem Winkel von ca. 45 Grad niedergezurrt werden. Wenn es dann zu einer Notbremsung kommt, ist das Risiko gering, dass die Stirnwand nachgibt und nach vorne hin abknickt. Auch die Ladung sollte dann auf dem LKW oder Auflieger bleiben.

Allerdings sichert auch eine ordnungsgemäße Ladungssicherung nicht gegen jegliche Eventualitäten im Straßenverkehr, insbesondere gegen Unfälle ab. Wenn es zu einem Unfall kommt, sollte in Fall ein fachkundiger Anwalt hinzugezogen werden. Schließlich geht es in der Regel - sowohl beim LKW als auch bei der Ladung - um nicht unerhebliche Werte. Die Anwälte der ETL Kanzlei Voigt stehen Ihnen hier zur Seite, damit Sie den Ihnen zustehenden Schadenersatz auch tatsächlich erhalten.

Dasselbe gilt für den Fall, wenn es zwar nicht zu einem Unfall gekommen ist aber ein Verfahren wegen mangelnder Ladungssicherung oder Überladung droht und neben einem Bußgeld auch Punkte in Flensburg zu befürchten sind.

07.11.2017

Zurück zur Artikelübersicht