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Verkehr & Recht

Fliesenbruch und Unfallflucht - Nachkauf erforderlich?

PKW-Anhänger sind günstig in Anschaffung und Unterhaltung. Insbesondere bei Renovierungs- oder Gartenarbeiten leisten sie gute Dienste, wenn Baumaterialien und Schutt oder Grünschnitt transportiert werden müssen. Bedauerlicherweise verfügen aber nicht alle, die ihren Anhänger entsprechend einsetzen, über die erforderliche Kenntnis oder Sorgfalt in punkto Stauung und Ladungssicherung, wie sie für den gefahrlosen Transport von Gütern unverzichtbar ist.

Es kommt dann immer wieder zu Vorfällen, wie am Morgen des 26.10.2017, als sich während der Fahrt die Plane eines PKW-Anhängers öffnete und herabfallende Fliesen ein nachfolgendes Fahrzeug beschädigten. Ob der Fahrer des Zugfahrzeugs dies trotz akustischer und Lichthupe des Geschädigten nicht bemerkte oder gar ignorierte, ist ungeklärt. Jedenfalls setzte er seine Fahrt fort und „entkam“ über die Autobahn Richtung Karlsruhe.

Ladungssicherung ist das A & O

Mangelnde Ladungssicherung spielt bei vielen Unfällen eine Rolle. Einerseits ist nicht jedes Transportmittel auch für jedes Ladegut geeignet, andererseits herrschen aber auch immer wieder falschen Vorstellungen vor, was die Notwendigkeit der Sicherung betrifft. Die irrige Vorstellung, dass schwere Güter Aufgrund ihres Gewichts keinerlei Verzurrung benötigen oder dass eine rückwärtige Ladungssicherung infolge der langsamen Beschleunigung von LKW bzw. Anhängergespannen nicht erforderlich wäre, ist (leider) immer noch anzutreffen. Zudem ist vielfach nicht bekannt, dass die Haftung bei Unfällen infolge mangelnder Ladungssicherung nicht nur den Fahrer und Fuhrparkleiter, sondern auch Absender und Verlader betreffen kann.

Die Grundlagen stehen in § 22 StVO

Unabhängig vom Ladegut bestimmt § 22 StVO, dass „Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen ... so zu verstauen und zu sichern (sind), dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.“

Im Klartext und nach § 23 Abs. 1 StVO bedeutet dies, dass jegliche Ladung so zu stauen und zu befestigen ist, dass weder Gehör oder Sicht des Fahrzeugführers noch die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs oder Gespanns beeinträchtigt werden. In dem hier zugrundeliegenden Sachverhalt war beides nicht gegeben.

Welche Konsequenzen drohen dem unfallflüchtigen Fahrer?

Sollte der Unfallverursacher gefasst werden, drohen ihm zunächst ein Punkt in Flensburg sowie eine Geldbuße in Höhe von 75 Euro. Schwerer wiegt allerdings, dass er sich vom Unfallort entfernt hat, ohne „zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist“ zu ermöglichen, wie es in § 142 StGB heißt. Hier drohen zwei Punkte, die Entziehung der Fahrerlaubnis und, abhängig von der Höhe des verursachten Schadens, eine bis zu sechsmonatige Sperrfrist zur Beantragung einer neuen Fahrerlaubnis und eine Geldauflage oder -strafe.

Die einzige Möglichkeit einer Bestrafung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu entgehen oder die Strafe zu vermindern besteht darin, sich innerhalb von 24 Stunden selbst anzuzeigen. Dies gilt jedoch nur dann, wenn es sich um einen geringen Schaden handelt und die Polizei noch nicht in dem Fall ermittelt. Dies sollte jedoch nicht ohne anwaltliche Unterstützung geschehen, da die Umstände des Einzelfalls auch hier von entscheidender Bedeutung sind.

02.11.2017

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