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Verkehr & Recht

Der Jeck hinterm Steuer - Worauf Autofahrer im Karneval achten sollten

Der Karneval ist die Zeit, um miteinander zu feiern. Aber was bei Prunksitzungen oder im Umzug erlaubt ist, muss es im Straßenverkehr noch lange nicht sein. Damit Ihnen die Lust am Feiern nicht vergeht, haben wir folgend einige wichtige Eckpunkte zusammengestellt. Die Aufzählung ist aber weder abschließend, noch auf die Karnevalszeit beschränkt.

Alkohol

Alkohol und Auto passen grundsätzlich nicht zueinander, und bereits kleine Mengen Alkohol können gravierende Folgen nach sich ziehen. Das Leitmotiv sollte daher auch im Karneval lauten: „Wer trinkt fährt nicht, und wer fährt trinkt nicht.“

Wo hört der Spaß auf?

Wer mit einem Blutalkoholgehalt von 0,3 Promille oder 0,15 mg/l Alkoholanteil in der Atemluft - folgenlos - Auto fährt, macht sich nicht strafbar. Für denjenigen, der aber Anzeichen der Fahrunsicherheit feststellt oder gar einen Unfall verursacht, für den ist von einem Bußgeld über die Entziehung der Fahrerlaubnis und Punkte, bis hin zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe vieles möglich.

Zudem sind, zusätzlich zu möglichen strafrechtlichen Konsequenzen, auch versicherungsrechtliche Einschnitte zu erwarten. Die gilt sowohl für den Mithaftungseinwand des Unfallgegners als auch den Regress des eigenen Versicherers in der Haftpflichtversicherung. In der Kaskoversicherung kommt die teilweise oder vollständige Leistungsfreiheit des Versicherers hinzu.

0,3 Promille sind schnell erreicht, bzw. überschritten. Bei einer Person mit 80 kg Körpergewicht beträgt der Blutalkoholgehalt nach einem halben Liter Bier (5 % Alkohol) 0,35 Promille. Noch weniger braucht es bei stark aromatisierten Likören, die eher nach Fruchtsaft als nach Alkohol schmecken, oder bei einem geringeren Körpergewicht.

Ab 0,5 Promille oder 0,25 mg/l ist ein Bußgeld von bis mehreren tausend Euro fällig. Und wer mit 1,1 Promille erwischt wird, kann mit dem Entzug der Fahrerlaubnis und einer mehrmonatigen Sperre für die Neuerteilung rechnen. Ab 1,6 Promille gibt es die MPU dazu. Diese darf, abhängig vom Einzelfall, aber auch derjenige absolvieren, der bereits mehrfach durch Trunkenheit im Straßenverkehr aufgefallen ist.

Da die Wirkung von Alkohol individuell verschieden ist, kann bereits das erste Glas zu viel sein. Dies gilt insbesondere, wenn - zusätzlich zum Alkohol - noch andere Drogen oder sogenannte Powerdrinks konsumiert werden. Die mit einem Anstieg des Blutalkoholgehalts verbundene Resorptionsdauer kann, abhängig davon, ob der Alkohol alleine oder z.B. begleitend zum Essen getrunken wird, bis zu zwei Stunden betragen. Der Abbau des Blutalkohols läuft auf natürliche Weise mit ca. 0,1 Promille pro Stunde ab und lässt sich auch nicht beeinflussen. Kalte Duschen, Kaffee oder Vitaminsäfte mögen - subjektiv empfunden - zwar durchaus eine Wirkung haben. Den Abbauprozess beschleunigen sie aber ebenso wenig, wie sogenannte „Promillekiller“.  Selbst wer ohne Kater aufwacht, kann daher immer noch eine kritische Menge Restalkohol im Blut haben und sollte das Auto besser stehen lassen.

 

Alkohol bei Fahranfängern und begleitetem Fahren

Fahranfängersollten gänzlich auf die Kombination von Autofahren und Alkoholkonsum verzichten. Hier besteht während der Probezeit oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres ein absolutes Alkoholverbot. Wer erwischt wird, auf den warten nicht nur neue Bekanntschaften im Aufbauseminar, sondern auch eine zweijährige Verlängerung der Probezeit. Für begleitetes Fahren gilt, dass der Begleiter nicht mehr als 0,25 ml Alkohol in der Atemluft bzw. 0,5 Promille Blutalkoholgehalt haben darf.

Alkohol bei Radfahrern und Fußgängern

Auch wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte sich von übermäßigem Alkoholkonsum fernhalten. Abhängig vom Blutalkoholgehalt, drohen auch hier rechtliche Sanktionen. Diese können bis zum Entzug der Fahrerlaubnis, Punkten und der Anordnung einer MPU gehen. Bei einem Unfall kann sich die Alkoholisierung zudem negativ auf die eigenen Ersatzansprüche auswirken.

Für Fußgänger ist eine MPU nicht ausgeschlossen, wenn sie sich alkoholbedingt auffällig verhalten. Bei einer alkoholbedingten Bewusstseinsstörung kann, abhängig vom Einzelfall, sogar die Leistungspflicht der privaten Krankenversicherung in Frage stehen.

Andere Rauschmittel

Wer mit Cannabis, Heroin, Morphin, Kokain, Amphetamin, oder Designer-Amphetamin Auto fährt ist vielleicht „gut drauf“, aber auch schnell ohne Fahrerlaubnis. Das gilt übrigens nicht nur für den Fahrer. Auch ein unter Drogeneinfluss stehender Beifahrer läuft Gefahr, seine Fahrerlaubnis zu verlieren (vgl. Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, v. 10.02.2006, Az. 10 S 133/06). Wer nach einer „Drogenfahrt“ seine Fahrerlaubnis wiedererlangen möchte, für den ist die MPU obligatorisch. Für die Versicherungsleistungen gelten die Ausführungen unter „Alkohol“.

Kostümiert Auto fahren

Anders bei als Alkohol oder Drogen, ist gegen Kostüme oder Verkleidungen am Lenkrad grundsätzlich nichts einzuwenden. Die Kostümierung darf allerdings weder die Sicht noch das Gehör des Fahrers beeinträchtigen. Insbesondere darf die Bewegungsfreiheit nicht merklich eingeschränkt werden. Wer kostümiert Auto fährt, muss also so fahren können, wie es bei normaler Kleidung möglich wäre. Auch die Kostüme von Mitfahrern dürfen den Fahrer nicht beeinträchtigen. Wirkt sich die Kostümierung negativ auf das Fahrverhalten oder die Reaktionsfähigkeit aus, kann sich dies bei einem Unfall auf den Versicherungsschutz auswirken.

Verkleidungen am Auto

Was für den Fahrer gilt, gilt auch für das Auto. Nach § 23 Abs. 1 StVO ist der Fahrer dafür verant-wortlich, dass das Fahrzeug vorschriftsmäßig ist und die Verkehrssicherheit u.a. durch die Ladung nicht leidet. Ein etwaiger Autoschmuck darf also weder die Sicht noch die Sicherheit des Fahrzeugs im Übrigen beeinträchtigen. Insbesondere dürfen die Beleuchtungseinrichtungen nicht verdeckt werden. Wenn dies gewährleistet ist, ist  vom Grundsatz her nichts dagegen einzuwenden, Entscheidend ist aber die Ausgestaltung der Kostümierung im Einzelfall. Detaillierte Ausführungen würden hier den Rahmen sprengen. Im Extremfall kann eine „Verkleidung“ aber sogar zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen.

Was ist wenn ich kostümiert in eine Verkehrskotrolle gerate oder geblitzt werde?

Bei Verkehrskontrollen muss es den Beamten möglich sein, die Identität feststellen zu können. Ist dies z.B. aufgrund der Maskierung nicht möglich, muss diese im Zweifelsfall abgenommen werden. Wer maskiert in einen Blitzer gerät und nicht identifiziert werden kann, kommt vielleicht um eine Geldbuße herum. Als „Ausgleich“ winkt aber die Fahrtenbuchauflage.

Kanzlei Voigt Praxistipp

Grundsätzlich gilt auch hier: Bewahren Sie Ruhe und verfallen Sie nicht in Panik. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Dies gilt insbesondere dann, wenn sich herausstellt, dass das letzte Glas, trotz aller Vorsicht und Zurückhaltung, eben das eine zu viel war. Zeigen Sie Führerschein und Zulassungsbescheinigung, wenn gewünscht auch Warndreieck und Verbandskasten und ermöglichen Sie den Beamten die Überprüfung von Zustand, Ausrüstung und Beladung. Ansonsten gilt: Belasten Sie sich nicht selbst. Überlassen Sie das Reden und alles Weitere uns. Wir kämpfen für Ihre Rechte, damit es am Ende nicht heißt: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“

23.02.2017

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